Färberwaid geschnitten
Färberwaid ist den meisten Menschen – wenn überhaupt – als Färberpflanze für Blautöne bei Textilien bekannt. Dass dieses Kreuzblütengewächs, welches mit Brokkoli und Senf verwandt ist, auch eine hervorragende Heilpflanze ist, wissen aber die wenigsten. Schon Hildegard von Bingen nutzte Färberwaid als Mittel gegen Geschwüre und Hautkrankheiten oder in Form von Salben gegen Lähmungen.
Färberwaid verfügt über antibakterielle, antivirale, pilzhemmende, blutstillende, insektizide, hautpflegende, beruhigende, entzündungshemmende, antimikrobielle und sogar krebshemmende Inhaltsstoffe, wodurch diese fast vergessene Heilpflanze ein unwahrscheinliches großes Einsatzspektrum darbietet. Zusätzlich punktet Färberwaid mit immunstärkenden, fiebersenkenden, adstringierenden und antibiotischen Eigenschaften. Die wichtigsten Wirkstoffe der Pflanze sind Glukosinolate (Senfölglykoside), Fettsäuren, Flavonoide, Alkaloide, Gerb- und Farbstoffe sowie Indican, welches für die Blaufärbung verantwortlich ist.
Die entzündungshemmenden Wirkstoffe wurden mittlerweile wissenschaftlich belegt; ebenso auch seine krebshemmende Wirkung. Untersuchungen haben ergeben, dass Färberwaid über große Mengen an Glucobrassicin verfügt. Diese Pflanze enthält 20 Mal so viel von diesem Wirkstoff wie Brokkoli. Neueste Studienergebnisse zeigen ebenso auf, dass die krebshemmende Wirkung besonders bei Brustkrebs Wirkung zeigt, da der Wirkstoff Glucobrassicin in der Lage ist, Östrogenderivate und andere Giftstoffe im Körper zu neutralisieren.
In der europäischen Volksmedizin werden vor allem die Blätter und Samen bei Hautkrankheiten und Geschwüren aufgebracht. Hierzu bereitet man entweder einen Brei, der auf die Stelle aufgebracht wird, oder man stellt eine wirksame Hautsalbe her. Mit Salben und Absud aus Färberwaid lassen sich auch sehr gut Psoriasis und Neurodermitis sowie Ekzeme behandeln. Schon in einem mittelalterlichen Lexikon findet man folgenden Text:
„Bereitet man aus den gestampften Blättern ein Pflaster, schließt und heilt es selbst die größten Wunden und bringt ihre Blutung zum Stehen, ferner verdrängt es sämtliche Geschwülste; und stampfst Du es mit Honig, so reinigt es eiternde Wunden, mit Eiweiß verquickt und aufgetragen, verschönt es die Male auf der Haut und hilft dem heiligen Feuer.“
In der Volksheilkunde wird Färberwaid auch gegen Hepatitis, Krämpfe, Hirnhautentzündung, zur Entgiftung, Blutstillung sowie Blutreinigung, bei Tumoren, Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden, Pilzen, bei Fieber und bei Halsschmerzen eingesetzt. Auch bei Magen-Darm-Problemen sowie Magengeschwüren und zur Stärkung des Immunsystems wird Färberwaid genutzt. Christian Friedrich Samuel Hahnemann, ein deutscher Arzt und Begründer der Homöopathie, verwendete Färberwaid bei Melancholie, Gelbsucht und gegen Würmer. Auch beobachtete er, dass Pferde, die an Druse (hochansteckende bakterielle Infektion) erkrankt waren, bevorzugt dieses Kraut fraßen, worauf sich eine Linderung der Symptome (Fieber, Probleme der Schleimhäute des oberen Atmungstraktes und geschwollene Lymphknoten im Kopfbereich) zeigte.
In China wurden 2003 bei der SARS-Epedemie Erkrankte mit Färberwaid erfolgreich, wie es heißt, behandelt. Auch verschiedene Bakterienstämme können mit dieser Pflanze gut bekämpft werden.
Wissenschaftlich belegt werden konnten bisher die entzündungshemmenden Wirkstoffe. Dies trifft auch auf die krebshemmenden Eigenschaften dieser Pflanze. Es wurde auch festgestellt, dass Färberwaid besonders aufgrund seiner Senfölglykoside sehr wirksam gegen diverse Bakterienstämme eingesetzt werden kann.
Färberwaid gilt als schwach giftig und es wird von einer innerlichen Einnahme abgeraten. In meinen Augen eigentlich erstaunlich, da diese Pflanze auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin als altes Heilmittel bei Grippe-Infektionen, Mumps und Masern gilt, was nur bei einer innerlichen Einnahme möglich ist. Auch ein Großteil seiner Einsatzgebiete in der Volksmedizin verweisen auf eine innerliche Einnahme. Ebenso fand ich in einer Apotheken-Information zur innerlichen Anwendung einer Färberwaid-Tinktur folgende Angaben:
„Nahrungsergänzungsmittel
Zutaten: 25% Ethanolextrakt aus Blättern und Wurzeln Isatis (Isatis tinctoria), destilliertes Wasser.
Trockenes Kräuter / Menstruations-Verhältnis: 1: 5
Aus 20 g Rohmaterial wurden 100 ml Tinktur hergestellt.
Inhalt in der empfohlenen Tagesportion (66 Tropfen - 3 ml): Blätter und Wurzel Isatis (Isatis tinctoria) - 600 mg.
Empfohlene tägliche Einnahme: 22 Tropfen (1 ml) dreimal täglich.“